Zeitzeugeninterviews

Im Rahmen des Projekts sind zahlreiche Zeitzeugengespräche entstanden. Wir haben Interviews mit deutschen Bewohnern von Pyrehne, die das Dorf mit dem Ende des Krieges verlassen mussten, mit Polen, deren Familien aus Kozaky stammten und nach dem Krieg nach Pyrehne umgezogen sind, und mit Ukrainern, die heute in Kozaky wohnen, durchgeführt.

Deutsche Interviews:

Interview: Helga Marsch

Helga Marsch wurde am 7. Juli 1934 in Hopfenbruch, Kreis Landsberg an der Warthe geboren und verlebte dort ihre Kindheit bis 1944. Sie hat einen Bruder und 3 Schwestern. Ihre Eltern betrieben einen Warenhandel mit Berlin. Im Januar 1945 trat die Familie die erste Flucht an. Nach ihrer Rückkehr im Sommer 1945 mussten sie kurz darauf endgültig Hopfenbruch verlassen. In Babelsberg fing die Familie nach langen Strapazen letztendlich Fuß. Frau Marsch begann 1949 eine Schriftsetzerlehre. Sie heiratete 1957 und zog mit ihrem Mann nach Berlin. Aus der Ehe entstanden drei Söhne, wovon der Jüngste verstarb. Die Ehe wurde 1986 geschieden. Frau Marsch verbringt nun ihre Lebenstage glücklich in Berlin.

Interview: Ruth Nowak

Ruth Nowak (geb. Pade) ist am 17.05.1927 in Pyrehne geboren, aufgewachsen im Nachbardorf Hopfenburch. Mit ihren Geschwistern, dem Bruder Kalf und den beiden Schwestern Helga und Rosemarie, entstammt sie einer Handelsfamilie. Nach den ersten vier Jahren der Volksschule in Hopfenbruch besuchte sie bis zur 10 Klasse die Mädchenmittelschule in Ladsberg und absolvierte im Anschluss ihr Pflichtjahr in einer Försterei. Nach der Vertreibung 1945 machte sie eine Lehrerausbildung zur Unterstufenlehrerin (Grundschullehramt) in Potsdam. Die ersten Nachkriegsjahre lehrte sie in einem Dorf in der Nähe von Beskow, später in Franfurt Oder, wo sie bis zur ihrer Rente ihrem Beruf mit Leidenschaft nachging. 1948 lernte sie ihren Mann kennen, den sie 1950 heiratete und mit dem sie drei Kinder hat.

Interview: Röschen Schmidt

Röschen Schmidt wurde am 2. August 1931 im neumärkischen Pyhrene, dem heutigen Pyrzany, geboren. In diesem Dorf verbrachte sie ihre Kindheit. Ihr Vater wurde zu Beginn des Zweiten Weltkriegs eingezogen. Im Januar 1945 erreichten Truppen der Roten Armee das Dorf. Infolge der polnischen Besetzung wurde die Familie im Juni 1945 gezwungen, ihr Heimatdorf zu verlassen. Mit ihrer Mutter und ihrer Schwester gelangte Röschen Schmidt erst ins zerstörte Berlin, dann nach Neuruppin. Im Jahr 1952 wurde Röschen Schmidt nach Eisenhüttenstadt versetzt und arbeitete fortan für die Handelsorganisation der DDR. In Eisenhüttenstadt heiratete sie ihren Mann und hatte mit ihm drei Kinder. Um ihre Mutter in Westberlin öfter zu sehen, zog die Familie im September 1966 nach Ostberlin, wo sie bis zu ihrer Rente als Einzelhandelsverkäuferin arbeitete. Heute lebt Röschen Schmidt in Berlin-Blankenburg.

Interview: Willi Gerlach

Willi Gerlach wurde 1932 in der Ortschaft Baudach im Landkreis Crossen geboren. Sein Vater war Zivilangestellter in einer Artilleriekaserne, seine Mutter war Hausfrau; er hat einen älteren Bruder. Mit Anfang des Krieges meldete sich sein Vater freiwillig zur Armee. Im Januar 1945 näherte sich die Kriegsfront Baudach und Willi Gerlach flüchtete am 10. Februar mit seiner Familie Richtung Westen. Bei Kriegsende kehrten sie nach Baudach zurück, wo bereits eine polnische Verwaltung eingesetzt worden war. Wenige Tage später wurden alle Dorfbewohner aus dem Ort vertrieben. Die Familie Gerlach ging zunächst nach Berlin zu Verwandten. Aus Berlin ausgewiesen gelangte die Familie schließlich nach Sachsen-Anhalt, wo Willi Gerlach die Volksschule beendete. 1946 kehrte sein Vater aus englischer Kriegsgefangenschaft zurück. Nach seinem Schulabschluss begann Willi eine Lehre als Mechaniker. 1961 von einem Kollegen gewarnt gelang es ihm mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter noch vor dem Mauerbau nach Westdeutschland auszureisen. Dort studierte er auf Lehramt und arbeitete bis zu einer Pensionierung im Jahre 1994 als Lehrer. 2002 unternahm er das erste Mal eine Fotoreise in seine alte Heimat und fährt seitdem mehrmals im Jahr zu Besuch in das heutige Budachów. Er lebt heute mit seiner Frau in Köln.

Ukrainische Interviews:

Interview: Марія Іванівна Луценко

Maria Lucenko aus dem Hause Pupko, geb. am 15.03.1932 in Korytniki. Ukrainerin griechisch-katholischen Glaubens. 1945 wurde sie mit ihrer Familie nach Amrozy umgesiedelt und bewohnte nach dem Kohlengrube in Kozaky geschlossen wurde das ehemalige Verwaltungsgebäude. Sie ist mit einem Fachmann für Bergbau aus dem Osten der Ukraine verheiratet.

Interview: Надія Григорівна Ратушна (Гасій)
Nadija Grygoriwna Ratuszna aus dem Hause Hasij, geb. am 11.04.1941 in Kozaky. Ukrainerin griechisch-katholischen Glaubens. Während des Krieges war ihr Vater zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert worden. Im Herbst 1945 kehrte er nach Hause zurück. Da die Familie ein großes Anwesen besaß, wurden sie von den Kommunisten als „Kulaken“ klassifiziert und im Frühjahr 1946 nach Sibirien in den Kreis Kemerowo deportiert. Nach Kozaky kehrten die Eltern mit ihren drei Kindern erst 1959 zurück. Nadija Ratusza schloss in der Verbannung sieben Grundschulklassen ab. Nach ihrer Rückkehr heiratete sie und bekam drei Kinder.

Interview: Надія Михайлівна Пишнограй

Nadia Pysznograj aus dem Hause Tymeczko, geb. am 04.09.1961 in Trostyanets. Ukrainerin griechisch-katholischen Glaubens. Sie besuchte die Grundschule in Kozaky und Zazuly sowie die Mittelschule in Lviv. Anschließend arbeitete sie in Lviv als Former und Laborantin. Verheiratet. Gegenwärtig ist sie in Rente und wohnt in Kozaky.


Interview: Ольга Олексіївна Кривенька

Olga Kryweńka aus dem Hause Duś, geb. am 25.04.1944 im Dorf Stare Brusno, im Lubaczowski Landkreis in Polen. Im Mai 1945 wurde sie gemeinsam mit ihrer Familie gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Nach er Ansiedlung in Kozaky besuchte sie weiter die Grundschule und anschließend das Technikum in Lviv. Nach Abschluss ihrer Ausbildung arbeitete sie für die Eisenbahn in verschiedenen Orten der ehemaligen UdSSR. Sie ist mit Michał Kryweńko verheiratet, hat drei Söhne und sieben Enkel. Gegenwärtig ist sie in Rente und lebt in Kozaky.

Polnische Interviews:

Maria Chęcińska, geboren am 15.11.1940 in Kozaky. Ihr Vater Michał Mykietów war Ukrainer und heiratete eine Polin – Zofia Czerniecka. Er war Bauer und arbeitete auch in der Kohlengrube. Ihre Mutter kümmerte sich um die Kinder und den Hof. Nach der Ansiedlung in Pyrehne besuchte sie die dortige Schule, in der sie die fünfte Klasse abschloss. Nach ihrer Hochzeit 1962 zieht sie nach Dühringshof. Sie hat drei Kinder und ist inzwischen im Ruhestand.

Józef StojanowskiJózef Stojanowski geboren am 31.07.1934 in Amrozy. Er ging in Kozaky zur Schule und empfing 1944 die Erstkommunion in der hiesigen Kirche. Sein Vater arbeitete in der Kohlengrube, seine Mutter kümmerte sich um den Haushalt. Vor Ausbruch des Krieges war der Vater Forstgehilfe. Nach der Aussiedlung in den Westen wurde das Familienhaus in Kozaky von der Tochter des Taufpaten übernommen. Seither lebt er in Pyrehne.

Aniela Stojanowska, die Tochter von Maria und Kazimierz Stojanowski, geboren am 26.02.1926 in Kozaky, wo sie vom Priester Michał Krall getauft wurde. Nach ihrer Ankunft in Pyrehne im Sommer 1945 stand sie als erste Braut vor dem Traualtar. Damals war sie 19 Jahre alt. Im Osten hatte sie in der Telefonzentrale als Botin gearbeitet. Nach ihrer Ansiedlung in Pyrehne kümmerte sie sich um den Hof. Sie lebte bis zu ihrem Tod am 01.09.2011 in Pyrehne.

Janina FerensowiczJanina Ferensowicz geboren am 21.02.1927 in Amrozy. Sie ist die jüngere Schwester von Józef Ferensowicz, der 1939 in Kozaky zum Priester geweiht wurde. Ihr zweiter Bruder wurde nach Russland deportiert und gelangte anschließend mit der Anders-Armee nach England und Kanada. Während des Krieges gehörte Janina der polnischen Volksarmee (AK) an. Nach der Aussiedlung in den Westen beendete sie das Gymnasium in Landsberg an der Warthe. Nach dem Studium arbeitete sie in der Schule von Kamień Wielki. Heute lebt sie in Torn.

Adam Iśków , geboren am 01.08.1944 in Kozaky. Seine Eltern Zofia Iśków aus dem Hause Wilk und Teodor Iśków waren Landwirte. Der Vater arbeitete gleichzeitig auch in der Kohlengrube. Adam Iśków hat fünf Geschwister. Nach dem Krieg arbeitete er als Fahrer und führte eine Landwirtschaft. Bis heute wohnt er in Pyrehne. Auf dem Bild ist er am Denkmal des braven Soldaten Schwejk in Przemysl zu sehen.
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Maria Kłak, geboren am 20.12.1932 in Kozaky, stammt aus der gemischten Familie von Michał und Anna Stojanowski. Ihre Mutter war Polin, der Vater Ukrainer. Im Moment der Aussiedlung war sie 8 Jahre alt. Nach dem Krieg erteilte ihr der Priester Krall das Sakrament der Ehe in Pyrehne. Heute wohnt sie in Küstrin.
 

Irena Domagała aus dem Hause Spólnik, geboren im Jahr 1939 in Amrozy. Sie lebt heute in Landberg an der Warthe.

Ludwika Nowosiadła, aus dem Hause Tymarkiewicz, wurde 1936 in Trosiańc Mały geboren, das zur Gemeinde Kozaky gehört. Ihr Vater arbeitete in der Kohlengrube von Kozaky, ihre Mutter kümmerte sich um den Haushalt. Zur Zeit lebt sie in Landsberg an der Warthe. Auf dem Foto steht Ludwika in der ersten Reihe als zweite von rechts; es wurde während eines Klassenausfluges der Fachschule für landwirtschaftliche Buchhaltung im Jahre 1955 aufgenommen.

Stefania Półtorak aus dem Hause Mykietów, geboren im Jahre 1937 in Kozaki. Schwester von Maria Chęcińska.

Maria Stojanowska, geboren am 02.01.1931 in Luzk als Tochter von Andrzej und Karolina Stojanowski. Zusammen mit ihrer Familie teilte sie während des zweiten Weltkrieges mehrfach das Schicksal der Flüchtlinge. Sie mussten flüchten ihr Familienhaus in Brieg abgebrannt wurde. Ihr neues Haus in Solotschiw Zolochiv wurde bombadiert, so zogen sie nach Kozaky. Im Sommer 1945 wurde die Familie gezwungen, in den Westen zu ziehen. Zur Zeit lebt sie in Pyhrene.

Maria Pańczyszyn aus dem Hause Kłak, geboren im Jahre 1928 in Wapnica. Sie ist 87 Jahre alt und wohnt in Pyrehne.

Maria Pełech, geboren am 11.09.1928 als Tochter von Franciszek und Maria Czerniecki. Sie besuchte die Grundschule in Kozaky, in der Ordensschwestern unterrichteten. Der Lehrbetrieb wurde im Moment des sowjetischen Einmarsches unterbrochen. Nach der vierten Klasse besuchten die Kinder die weiterführende Schule in Zolochiv. Nach der Umsiedlung schloss sie ihre Ausbildung in Pyrehne ab. Sie arbeite 23 Jahre in den Kunstgewebe-Betrieben „Stilon“ in Landsberg an der Warthe. Gegenwärtig ist sie im Ruhestand.

Aniela Stojanowska, geboren am 16.06.1920 in Kozaki. Tochter von Jan und Katarzyna Stojanowski.

Anna Furtan, geboren am 20.07.1940 in Łuka als Tochter von Karolina und Andrzej Stojanowski. Vater war Landwirt, die Mutter blieb zu Hause und kümmerte sich um vier Kinder. Fünf Jahre lang ging sie zur Schule in Pyrehne, die Grundschule beendete sie in Nowiny Wielkie.