Geschichte eines Dorfes: Kozaky

Kozaky zwischen den Weltkriegen

Kozaky war am Anfang des 20. Jahrhunderts ein ostgalizisches Dorf (damals in Österreich-Ungarn gelegen) mit polnischer, römisch-katholischer Bevölkerung, das sich jedoch in einer Umgebung befand, die mehrheitlich ukrainisch war.

Nach dem Ersten Weltkrieg erhoben sowohl die Polen als auch die Ukrainer Ansprüche auf die Gebiete um Lemberg. Aus dem polnisch-ukrainischen Krieg ging im Mai 1919 Polen als Sieger und künftiger Herrscher über die Gebiete Ostgalizien und Wolhynien hervor. Sowjetrussland und -Ukraine mussten 1921 im Friedensvertrag von Riga auf die Gebiete verzichten.

Die polnische Verwaltung hat zu einer Polonisierung Ostgaliziens gegriffen und dabei mehrmals die Minderheitenrechte verletzt. Polnisch wurde zur ausschließlichen Amtssprache, dadurch wurde ukrainischen Kindern und Jugendlichen der Zugang zur höheren Bildung erschwert.

Auf dem Lande war das Leben von der großen Politik im geringeren Maße betroffen. Es gab ein durchaus freundliches Zusammenleben von Katholiken, Unierten und Juden in der Gegend von Kozaky. Gemische Ehen bildeten keine Ausnahme, die Kinder wurden jeweils in der Religion des gleichgeschlechtlichen Elternteils erzogen. Die römisch-katholischen Kinder hatten jedoch deutlich bessere Bildungschancen. Diese Konfession wurde auch von Pfarrern geprägt, die in Kozaky tätig waren und die das Nationalbewusstsein der Bewohner beeinflusst haben. Die ukrainische Bevölkerung aus den Nachbardörfern war mit dieser Entwicklung nicht einverstanden und druckte immer deutlicher ihre Unzufriedenheit aus.

Kozaky während des Zweiten Weltkrieges

Die Gebiete um Kozaky litten in der Zeit des Zweiten Weltkriegs unter der Politik der beiden Besatzungsmächte: Sowjetunion und Deutschland. Beide Seiten spielten die sich aus mehreren ethnischen Gruppen zusammensetzende Bevölkerung gegeneinander aus. Es kam im Zuge der Kollektivierung zu massiven Deportationen vor allem der Polen nach Sibirien, in folge deren die übrig gebliebene Bevölkerung ihrer Führunsschicht entbloßt wurde.

In Kozaky wurde die Kohlengrube ausgebaut, weswegen viele Dorfbewohner, die dort arbeiteten, von den Deportationen verschont blieben. Diejenigen, die sich dem sowjetischen Machthabern widersetzen, wurden ins Gefängnis in Zolochiv gebracht und viele kamen dort um.

Die Grube wurde in der Zeit der deutschen Besatzung in ein Arbeitslager umgewandelt, in dem mehrere hundert Juden gefangen gehalten wurden. Die, die nicht vor Erschöpfung starben, wurden kurz vor der Auflösung des Lagers von den deutschen und ukrainischen Bewachern ermordet.

Die übriggebliebene, nicht-ukrainische Bevölkerung – meistens handelte es sich um eine polnische, ungebildete Minderheit – wurde nun von den ukrainischen Nationalisten mit dem Ziel der „ethnischen Säuberung“ verfolgt. Die Polen standen vor der Wahl vetrieben zu werden oder zu sterben.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die polnischen Bewohner des Dorfes Kozaky gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und ins Unbekannte, das in den neu gewonnenen polnischen Westgebieten lag zu ziehen. Dies fand im Rahmen eines Bevölkerunsaustausches statt, der zwischen Polen und den drei angrenzenden sowjetischen Republiken (Ukraine, Weißrussland, Litauen) auf Anordnung von Stalin ausgehandelt wurde.

In das von den Polen verlassene Dorf Kozaky zogen Ukrainer, die ebenso vertrieben wurden, die meisten von ihnen kamen aus polnischen Gebieten um die Stadt Przemyśl.